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Zwischenfrage

Auch wenn jetzt nicht gerade passend zur Thematik, doch möchte ich euch diese Frage stellen, die mir durch den Kopf geistert ohne dass ich vorher recherchiert habe:

Kann ein (M)OOC eine Chance für Menschen sein an Bildung teilzunehmen und aktiv sich einzubringen, die in der face-to-face-Kommunikation Probleme / Hemmschwellen haben?

Die Frage kommt nicht von ungefähr. Mein Mann steht häufig abends hinter mir und schüttelt den Kopf: du twitterst, bloggst, fragst und mischt dich ein wie nur selten und als hättest du nie etwas anderes gemacht. Und das ist nicht immer so. Nicht das ich immense Probleme in der f-t-f-Kommunikation habe, aber ob ich auf irgend einem Kongress, einer Konferenz, einer Messe jemals so offen gefragt und meine Meinung gesagt hätte, vermutlich nicht. Ich, die Studentin, mit ihren unausgereiften Vorstellungen, manchmal (mir) komischen Fragen und dem Querdenken, ich als Studentin kann doch nicht den wissenschaftlichen Mitarbeitern, Fachkräften, Dozenten und mehr einfach so mit meinem langweiligen Gedöns kommen – die haben doch alle wesentlich mehr Erfahrung.

Und doch scheint es im MMC13 nicht so. Man wird motiviert, ernst genommen, auch wenn man nicht unbedingt zur Zielgruppe gehört. Ich finde es toll und es motiviert mich. Auch zu dieser Fragestellung.

Kann es auch für andere so sein? Ist es so?
Ist ein OOC eine Chance vielen Gehör zu verschaffen, die es vllt. aus unterschiedlichen Gründen sonst nicht schaffen?
Oder ist es allgemein so, dass die Mobilität des Internets mit Social Media vielen eine neue Chance eröffnet?

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6 Kommentare zu “Zwischenfrage

  1. Hallo Eva,

    ja, Du hast Recht mit Deiner Vermutung. Computermediierte oder auch computervermittelte Kommunikation (cvK) kann durchaus Vorteile für die Kommunikation haben. Hier findest Du eine sehr kurze Zusammenfassung dazu: http://ocwl11.wissensdialoge.de/sozialpsychologische-aspekte-von-computermediierter-kommunikation/

    Was nun speziell Deine Frage betrifft, es kann durchaus von Vorteil sein, wenn bestimmte soziale Hinweisreize, die wir bei der Face2Face-Kommunikation automatisch erfassen, wegfallen. Das betrifft zum Beispiel Geschlechterstereotype, unangenehm empfundene Reize oder auch Beobachtungen, die das Bild von der Kompetenz einer Person negativ beeinflussen können.

    Beispiel: Studentin A ist hat sich auf ein Referat vorbereitet und ist inhaltlich sehr fit, sie hat aber das Pech, sehr nervös bei Vorträgen vor einer Gruppe zu sein. Während des Vortrags zittern ihre Hände und die Stimme kippt gelegentlich. Als Beobachter könnte ich diese Zeichen so deuten, dass Studentin A inhaltlich inkompetent ist. Unter Umständen höre ich ihr schon nicht mehr richtig zu, weil ich sie ohnehin in die Schublade inkompetent abgelegt habe.

    Würde die Studentin stattdessen ihre Ausarbeitung bloggen, fielen die negativen Hinweisreize vollkommen weg, ich würde mir mein Urteil rein inhaltlich bilden. Ich könnte Fragen stellen und bei den Antworten könnte Studentin A mir wieder ganz streßfrei antworten, sie hätte sogar noch den Vorteil sich in Zweifelsfällen zusätzliche Informationen zu holen, weil sie ja auch nicht sofort antworten müsste. Mein Bild von ihr würde somit ein ganz anderes.

    Diese Besonderheit der cvK (Stichwort dazu ist Kanalreduktion) ermöglicht den Beteiligten Kommunikationspartnern sich einen idealen Partner bzw. eine ideale Umgebung zu imaginisieren.

    Umgekehrt funktioniert das natürlich auch. Wenn bestimmte Hemmschwelllen wegfallen, die mir die Face2Face-Kommunikation erschweren (zum Beispiel die von Dir angesprochenen Statusunterschiede), ist eine wesentlich entspanntere Kommunikation möglich. Es hängt auch ganz von den eingesetzten Medien ab. Bei Twitter ist es z. B. wesentlich leichter eine Person anzusprechen, als per E-Mail.

    Gutes Beispiel ist Deine Frage hier im Blog. Du könntest durchaus die Frage auch twittern und um Kommentare bitten. Mancher würde es tun, andere nicht. Du bekämst aber mit Sicherheit Antworten und würdest vermutlich keinen Gedanken daran verschwenden, dass einige nicht geantwortet haben. Würdest Du dagegen alle TeilnehmerInnen von der MOOC-Maker-Liste per E-Mail bitten, Dir zu antworten, wäre erstens die Hürde größer (Was, wenn ich mich zum Idioten mache?), andererseits würdest Du viel genauer darauf achten, wer Dir antwortet und eventuell noch die Nicht-Antworten als Ablehnung interpretieren.

    Wenn Du Dich in dem MOOC wohlfühlst, wie Du ja oben schreibst, ist es für Dich eben eine sehr gute Umgebung, um Dich mit Deinen Fragen, Gedanken und Beiträgen einzubringen.

  2. gute Frage…

    ja und nein…. , in der Tat. Ich erkläre es mir

    a) natürlich über Hierarchie, die im Netz etwas entfällt und auch soziale Schüchternheit (habe da an manche meiner Studierenden vor meinem inneren Auge oder auch so das übliche Tagungsgeschehen, das Du ja auch so beschreibst), aber vor allem

    b) über Lernstile, wie ich schon mal ausgeführt hatte. In einer Lehrveranstaltung oder Tagung kommt so viel Neues an Informationen auf die Rezipienten zu, Lernende müssen das ja erst mal kongnitiv verarbeiten. Bei manchen passiert das etwas schneller als bei anderen bzw. es entscheidet vielmehr auch das subjektive Gefühl, wann ich es so verarbeitet habe, dass ich weiss, was ich verstanden, was nicht verstanden habe und wo ich ggf. noch eine Frage habe. Und manchen Lernenden fällt es eben nicht sofort, sondern etwas später, wo sie eine Frage haben, eben aufgrund dieses zeitlich individuellen Verarbeitungs-, Aneignungsprozesses und auch diesem subjektiven Sicherheitsgefühl. Aber bis einige den Punkt haben, ist eben die Tagung schon rum, die Vorlesung, das Seminar. vorbei .. ein online Setting ermögicht uns aber eben noch, auch NACH diesem kognitiven Verarbeiten und Aneignen die Frage noch zu stellen.

    Ich hab mir angewöhnt, Lernende in Präsenzsitzungen, von denen ich vielleicht denke, die seien schüchtert, nur weil sie sill sind, so erst mal nicht zu sehen, sondern vielleicht prozessieren die gerade nur heftig kognitiv und stellen einen Tag später eine ganz spannende Frage oder kommen mit einem überraschenden Aspekt… ich weiss ja nicht, was wirklich gerade in dem Mensch vorgeht.

    Zum Thema Hierachie: ich selbst habe mich Anfang der 90er mal damlt befasst, wie anonyme online Teilnahme zur Überwindung von Hierarchien in Entscheidungssituationen wirkt, geht also in die Richtung… allerdings gibt es auch Studien, die zeigen, dass in Foren z.B. Menschen eher auf Beiträge solcher reagieren, über die sie viel wissen.

    Es bedeutet, dass jemand, der viel über sich mitteilt, mehr Reaktionen bekommt (In dem pschologischen Experiment das in den 70igern (?) Vorläufer des uns aus dem Fernsehen bekannten Big Brother Haus war, flogen die raus, die nichts über sich preisgaben, noch vor denen, die unsympatisch waren, einfach weil man bei den Stillen einfach nicht wusste, wo man dran war, während man bei den „Ekeln“ wenigstens wusste, wo man dran war. Über die anderen wusste man gar nichts, das verunsicherte.. die wählte man raus. Und auf die wird im Netz einfach nicht reagiert.

    Langer Rede kurzer Sinn: Du bekommst hier a) Reaktionen, weil du was von dir mitteilst, darauf kann man gut reagieren.und

    b) die online Kommunikation gibt uns Zeit und hebt die zeltiche Restriktion von Präsenztreffen etwas aus (wobei auch online Zeit begrenzt ist; daher: Experten haben online Zeit; Dir zu antworten, wo sie auf der Tagung mit ihresgleichen rumstehen, reden und gar keine Gelegenheit hätten, mit dir ins Gespräch zu kommen, ausser Du stellst plenar oder direkt nach einem Vortrag eines Experte eine Frage, in der Pause hängen Experten einfach mit anderen Experten rum, einfach weil sie sich kennen 😉

    Was mich selbst moiviert ist die „weakness of strong ties and the strength of weak ties“ (je mehr ich mich über meinen üblichen Kreis hinaus erweitere (weak ties), so mehr neue Impulse bekomme ich (Strength), wenn ich mich aber nur in meinem üblichen Kreisen vernetze (strong tie), so weniger neue Impulse bekomme ich (weakness)): d.h. das Netz gibt uns Gelegenheit, uns außerhalb unseres üblichen Präsenzkontextes z.B. unseres Bildungsbereiches, Akteursgruppen zu bewegen und auszutauschen (das wären die, mit der ich auf der Tagung rumstehen würde, meine strong ties). So hab ich im Alltag z.B, kaum mit Weiterbildner im Seniorenbereich zu tun, die treff ich einfach nie, online im OPCO11 und hier plötzlich schon mal und ich lese interessiert die Fragestellungen, die sie so haben und lernen so was dazu (mich interessieren die Fragen, die die verschiedene Gruppen an MOOCs als Phänomen stellen).

    • @Claudia: Sehr löblich wie du in Präsenzveranstaltungen vorgehst, leider ist das nicht immer so. Danke für die Erklärung und die Übersetzung. Diese Aussage finde ich klasse und sollte eigentlich jedem zugänglich gemacht werden!
      Es ist wie immer ein zweischneidig. Kann man resümieren, dass es auch immer darauf ankommt wie man sich im Netz präsentiert? Wie viele Informationen man von ich preisgibt, Avater mit Bild von mir oder einem Synonym, Realname oder Synonym, kurze Infos zu Lebenslauf und Tätigkeit oder nicht?

  3. Ja, natürlich… ich fände es spannend, mal zu untersuchen, auf welche Posts es Reaktionen gibt, welche nicht (ich hab ja immer die Wissenschaftlerbrille auf 😉

    Thesen:
    1). Ich glaube z.B. dass solche eher „menschlichen“ Inputs wie z.B. der von Jasmin http://www.jasmin-hamadeh.de/mmc13-impuls_wo1_dont-mooc/ in der ersten Woche, und der von dir hier, eher zu Reaktionen führt als die „Input“-Beiträge, die eher Wissen vermitteln wollen, einfach weil sie „menscheln“ , weil sich da der Mensch mitteilt,

    2) Auch kürzere Texte regenggf. eher zu Reaktionen an als lange wie z.B. Sabine schreibt:
    http://www.designeon.com/2013/01/cmoocs-gestalten-spontane-kurze-und-visuelle-inhalte-sind-trumpf/

    … to be continued

    die Frage, die sich mir dann stellt: bestehen cMOOCs vor allem aus der kooperativen Wissensgenerierung durch Austausch, welchen Stellenwert hat wissensvermittelnder Input in cMOOCs? Ich nehme an, das ist für verschiedene Leute verschieden, wie ich in Bezug auf die Lernstile und -präferenzen zu differenzieren (s.
    http://mooc13.wordpress.com/2013/01/18/ein-lob-der-vielfalt-auch-fur-moocs/)

  4. Hört sich spannend an, aber ist es überhaupt vergleichbar? (Ich bin eher diejenige, die nach Machbarkeit fragt 😉 )
    Kann ich es vergleichen? Kommt es nicht auf mehr an:
    Wer geschrieben hat? Wie geschrieben wurde? Wo präsentiert/verbreitet wird (Twitter, Blogaggregator, Google+, als Impulsbeitrag)?
    Und dann vielleicht noch die Fragestellung/Thematik des cMOOCs miteinbeziehen.
    Aber spannend, vielleicht eine Thematik für angehende Bildungswissenschaftler, Medienpädagogen und Co. (so als Studentin ist man ja immer auf der Suche nach Themen)…

    Lernstile und Lernpräferenzen sind bestimmt immer prägend. Frage: Sprechen cMOOCs besonders spezielle Lerntypen/-stile an? – oh, hattest du ja schon geschrieben in deinem Beitrag (hab ich erst danach überflogen).
    Durch eine Überprüfung welche Blogartikel eher gelesen werden + welche Lerntypen werden am ehesten angesprochen in cMOOCs kann man doch eigentlich dazu nutzen weiter cMOOCs zu planen und zu gestalten. Immer wieder anregen als Moderator/Veranstalter oder als Teilnehmer.

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