Soll ich mein Kind schon an den Computer, das Tablet oder das Smartphone lassen oder soll ich es so lang wie möglich davon fernhalten? Schwierig. Die Meinungen gehen hierzu ja weit auseinander. Und dennoch ist es ein ganz alltägliches Problem auf das ich ganz alltäglich mit den eigenen Vorstellungen eingehen möchte.

Wer sind wir?

Wir, dass ist eine fünfköpfige Familie. Die Kinder sind im Alter von fast 9, 5 und 3 Jahren. Die Eltern seit der späten Jugend mit Computern betraut. Der Vater interessiert sich für Technik, die Mutter studiert an der FernUniversität in Hagen, also viel via Internet und PC.

Wie machen wir das?

Eigentlich wachsen alle drei Kinder bereits mit der Technik und Medien auf. Nicht immer wird alles reflektiert betrachtet, auch wenn wir uns als Eltern bemühen. Aber mal ehrlich: das ist auch ganz schön anstrengend.

Fernsehkonsum

Im Kindergarten hört man einen Vortrag: Kinder unter drei Jahren gar kein Fernsehen und Kinder zwischen 3 und 6 Jahren 30 Minuten am Tag, 9 Jährige dann schon 45 Minuten.  Und wie bitte soll ich das umsetzen??? Wie erkläre ich der Kleinsten, dass die anderen beiden das Fernsehen anmachen dürfen, aber sie nicht gucken darf? Mit zwei Jahren hat man schon seinen eigenen Kopf und es ist schwer zu verstehen, warum ein anderer etwas darf, man selbst aber nicht. Natürlich darf auch die 2 Jährige vorm TV sitzen und Kindersendungen sehen. Und nicht immer sind die oben genannten Zeiten einhaltbar. Aber wir gucken zusammen. Nur selten sitzen sie mal alleine vorm Apparat und dann weiß ich auch, was geguckt wird. Da muss dann die Älteste auch mal die „Kleinkindersendung“ sehen und nicht die spannendere Sendung, denn es soll hier keiner überfordert werden mit Eindrücken, die kaum zu verarbeiten sind. Tja und wenn die Sonne scheint, dann ist der Fernseher in der Regel überhaupt keine Alternative zum Sandkasten und Toben draußen auf dem Rasen. So wird bei uns im Winter mehr Ferngesehen als im Sommer und manchmal ist es auch einfach eine Auszeit für uns alle.

Der Computer bzw. Laptop

Wir haben einen Laptop. Da sitzt meist die Mama daran und arbeitet und studiert. Von den Kindern wird er als Arbeitsgerät von Mama angesehen, der aber auch für sie interessante Spielereien bietet. Der Computer hat bei uns keinen besonderen Stellenwert und das finde ich super! Er ist selbstverständlich da wie jedes andere Gerät hier im Haushalt auch (okay, so selbstverständlich ist er auch nicht, denn nicht jeder kann ihn sich leisten und dennoch finde ich es wichtig, dass ein Computer nichts herausragend Besonderes ist, sondern ein Gebrauchsgegenstand wie ein Buch auch selbstverständlich da ist). Aber kein eigenständiges Spielzeug für die Kinder. Aber sie dürfen ihn auch nutzen. So hat die Älteste schon mit 4 Jahren darauf gemalt mit Paint oder mal eine Sendung angesehen. Mit 5 Jahren gab es dann ein Spiel für den PC – wenn ich mich nicht irre war es ein Bibi Blocksbergspiel.  Hin und wieder wird nach Computerspielen gefragt, aber meistens ist der PC ziemlich uninteressant.
O-Töne:
„Mit dem Laptop arbeitet Mama meist. Sie kann damit studieren, schreiben und Einladungskarten drucken.“
„Man kann Mama ärgern, wenn man die Maus nimmt und wild drauflos klickt. Aber das ist auch gefährlich.“
„Man kann mit dem Laptop ins Internet und dort Kika-Sendungen gucken, wenn man krank ist.“

Internet

Ein eigener Unterpunkt für das Internet. Ein Ort, an dem es gewisse Regeln zu beachten gilt und den unsere Kinder (noch) nicht alleine erkunden dürfen. Aber ich finde es wichtig, dass sie auch schon in jungen Jahren einen kontrollierten Umgang im Netz lernen. Vor drei Jahren habe ich einen privaten Blog initiiert und schreibe seitdem regelmäßig und beziehe die Kinder zum Teil auch schon mit ein. So wissen die beiden Großen genau, dass was dort einmal zu lesen oder zu sehen ist für jeden auf der Welt sichtbar ist und wir uns genau überlegen müssen, was wir darauf stellen. Die Kinder haben ein Mitspracherecht, wenn ich ihre Werke veröffentlichen will. Schließlich sind es ihre Werke und nicht meine und sie sollen selbst entscheiden, ob es okay ist, wenn es nicht nur Oma, Opa und die Verwandtschaft sehen oder eben theoretisch die ganze Welt.
Häppchenweise werden sie herangeführt.
Die Zweijährige darf höchstens mal ne Sendung schauen, wenn das Fernsehprogramm nicht unseren Vorstellungen entspricht oder wir suchen mal eine free Malvorlage heraus und drucken diese dann aus und malen händisch diese aus/an.
Der Fünfjährige nehme ich schon mal mit auf die Reise durch das Netz, wenn er etwas Besonderes wissen will. Erlernt das es extra Kindersuchmaschinen gibt und man eine ganze Menge im Internet finden kann. Seine Wissensneugierde können wir da manchmal stillen. Und dennoch experimentiert er lieber draußen im Garten mit Wasser, Sand und Steinen als dieses nur Nachzulesen.  Auch mal auf die Seiten von der „Sendung mit dem Elefant“. Dort finde ich es toll, weil die Kinder auch ruhig mal ein kindgerechtes Spiel spielen können, gleichzeitig man aber auch einen „Wecker“ einstellen kann, der die Kinder daran erinnert, dass sie nur eine begrenzte Zeit am PC verbringen dürfen. Diesen Wecker stellt man als Eltern selbst ein.
Die fast Neunjährige darf auch schon mal gezielter suchen. Sich etwas ausprobieren. Gerade neulich fragte sie: „Mama, darf ich auch mal ins Internet und mich durch die Seiten klicken.“ – Ja, klar. ABER zuerst haben wir zusammen noch überlegt, was sie alles beachten sollte. Dann sind wir gemeinsam an den Laptop gegangen und sie durfte entscheiden mit etwas Unterstützung. Sie hat ihren eigenen Lesezeichenordner in der Browserleiste. So fühlt sie sich sicherer auf welchen Seiten sie stöbern kann, die für sie dort hinterlegt sind (z. B. Blinde Kuh, Frag Finn, Kika). Sie hat schnell gemerkt, dass die Zeit wie im Fluge vergeht.
Neulich hat sie sich die Seiten unseres Blogs nochmal angesehen und hat sich gefreut so einiges nachlesen zu können, was uns zum Teil während der Jahre bewegt hat und was wir zum Beispiel zu Ostern gebastelt haben. „Mama, das müssen wir unbedingt wiederholen.“
Da sie schon etwas Erfahrung gesammelt hat, sie gut auskennt und hervorragend lesen kann, darf sie sich z. T. mit Vorgabe auch durchaus schon mal einige wenige Zeit alleine im Netz bewegen. Immer wieder schaue ich mal nach ihr und frage was sie macht, auf welchen Seiten sie ist, aber ich möchte sie auch fördern, dass sie es später allein hinkriegen muss und sie nicht ständig kontrollieren.

Und auch wenn die Kinder ins Internet dürfen, passiert dies nicht täglich. Sondern eher sporadisch, dann wenn sie nachfragen und wenn gleichzeitig Zeit da ist, um sie zu begleiten.

Spielekonsolen

Sie gehören auch dazu. Die Neunjährige hat einen eigenen Nintendo DS, der mal mehr, mal weniger interessant ist. Meist nur wenn sie ein neues Spiel hat, egal ob geschenkt bekommen oder ausgeliehen. Dann wird viel gespielt und sie spielt sehr intensiv das Spiel. Wenn das Neue verblasst, dann verblasst auch das Interesse am DS. Bei neuen Spielen darf sie dann auch schon mal etwas länger spielen, ansonsten verlangt sie aber selten danach und selten sieht man sie mit dem DS spielen. Sie liest dann lieber in ihren Büchern, dazu später mehr.
Wir haben noch eine Wii, allerdings ist diese seit geraumter Zeit defekt. De facto wird damit auch nicht mehr gespielt. Diese wurde allerdings auch eher sporadisch genutzt, nicht täglich und auch nicht jede Woche. Mal wird ein paar Tage hintereinander öfter danach gefragt und dann auch gerne mal das ein oder andere Spiel darauf gespielt, aber immer zeitlich begrenzt und immer zu zweit oder dritt. Da ist der Fünfjährige bei uns relativ anfällig und würde am liebsten stundenlang spielen, was wir dann aber tatsächlich untersagen. Sie durften in der Regel maximal 1 – 1 /2 Stunden am Tag spielen.
Die Wii hat auch eine große Faszination auf die Zweijährige. Die gerne mitspielen möchte, die Spiele aber meist zu schwierig für sie sind (auf jeden Fall, die die wir haben).  Sie darf mal ausprobieren, etwas rumspielen. Aber auch hier wird das ganze begrenzt.
Schön finde ich, dass man meist zusammenspielt und sich die Kinder schnell auf Regeln des Abwechselns geeinigt haben.

Smartphone

Ein eigenes Smartphone hat keines der Kinder. Nicht einmal ein Handy. Manchmal bekommt die Große schon mal unser Notfallhandy mit, wenn sie sich alleine auf den Weg zur Oma macht.
Das Smartphone des Mannes fasziniert alle unsere Kinder. Sie dürfen alle darauf Spiele spielen, die altersgerecht sind.Oder sie hören damit Musik. Interessant zu beobachten ist wie schnell schon die Kleinste herausgefunden hatte, welches Bild sie antippen muss, um zum Puzzlen zu gelangen. Fast schon gruselig schnell, so schnell bekommen wir Erwachsenen meist die neusten Funktionen nicht heraus.  Die Internetfunktion schalten wir dann aber ab, denn die Gefahr ist uns zu groß. Und dennoch gibt es Grenzen für sie, so dass sie nicht immer das Smartphone haben dürfen schließlich gehört es Papa und er darf dies entscheiden.
Das Smartphone gehört für sie zum alltäglichen Leben dazu. Aber es nervt sie auch schon mal und es kommt nicht selten: „Papa leg das Handy weg, wir wollen mit dir spielen!“ oder „… beim Essen wird nicht telefoniert.“

Weg von der Technik und nun?

Kein Probelm. Wie schon oben angedeutet sind Computer und Fernseher nicht mehr interessant, wenn die Sonne scheint und man endlich draußen wieder rumtoben kann, Sandburgen bauen, Fahrrad , Inliner und Waveboard fahren kann, das Planschbecken aufbauen, an der Turnstange turnen, Höhlen bauen und entdecken. Aber auch malen und basteln, mit Kleister experimentieren, nähen und stricken und häkeln. All diese Dinge sind ebenso wichtig und werden ebenso gerne gemacht.
Aber man muss auch unsere Kinder daran heranführen. Ihnen zeigen, was man machen  kann. Vorbild sein und es ihnen vormachen. Wenn sie mich immer nur am Laptop sehen, dann wollen sie auch daran. Häkle oder nähe ich, so weckt das ihr Interesse und sie wollen es auch ein mal probieren, was wir gerne fördern.
Gemeinsame Spaziergänge, Fahrradtouren und das Entdecken des Waldes steht am Wochenende öfter auf unserem Plan genau wie der Filmabend am Freitag. Eine ordentliche Mischung eben.

Ebenso verhält es sich bei uns mit Büchern und dem Lesen.
Es kommt häufig vor, dass wir gemeinsam ein Buch lesen bzw. ich ihnen eine Geschichte vorlese. Die Große liest schon selbst und verschlingt die Bücher förmlich. Die Kleinste will immer ein und dasselbe Buch vorgelesen bekommen und der Fünfjährige besteht auf die Gute Nacht Geschichte.

Warum verbieten wir Computer und Co. nicht?

Das ist einfach. Wir als Eltern stehen auf dem Standpunkt: Alles was verboten ist, übt noch eine viel größere Faszination aus. Viele tun es dann heimlich, unkontrolliert und exzessiv. Wir möchten, dass unsere Kinder lernen in unserer medialisierten Gesellschaft sich zurecht zu finden, Technik und Hintergründe zu verstehen und lernen einen sicheren Umgang mit den „neuen“ Medien zu lernen. Wir denken auch, dass das Internet nicht mehr wegzudenken ist, genau wie Facebook und Co. auch. Durch die Einbeziehung in den Blog, die stetig dem Alter entspricht und erweitert wird, sollen sie lernen wie man sich verhält im Netz. Das es Urheberrechte gibt, das jeder veröffentlichte Dinge lesen und teils auch weiterverwenden kann (wenn auch z. T. ohne Einstimmung des Urhebers), das das Internet gefährlich sein kann, das es Mobbing gibt, das man sich aber auch schützen kann, sich wehren kann und erst über Postings egal welcher Art nachdenken sollte, bevor man sie veröffentlicht und vieles mehr.
Wir wollen die Kinder schon jetzt heranführen, damit sie Zeit haben sich zurechtzufinden. Spätestens beim Schulwechsel zur weiterführenden Schule tritt der Computer und das Internet in einen anderen Fokus. Dort wird ein Umgang teils vorausgesetzt oder muss schnell erlernt werden, dem wollen wir durch langsames stetiges Lernen und Wachsen entgegen wirken.

Mit 13 Jahren darf man sich bei Facebook anmelden, wenn ich vorher wenig über Urheberrechte, die Internetwelt und ihre Gefahren und Chancen erfahren habe, dann ist es schwierig die passenden Einstellungen und Umgehensweisen zu wissen. Und wer kann mir helfen? Ist das Alter schon eine recht komplizierte Angelegenheit, kommt dann noch eine weitere dazu, die auch noch gefährlich  sein kann. Nicht der eine große Schritt, sondern viele kleine Schritte führen meist zum Ziel. Und wenn es auch nur sicherer für uns ist.

Ob dies alles so klappt wie wir es uns vorstellen, dass wissen wir natürlich nicht.
Und den richtigen Weg gibt es auch wohl nicht.

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