Kognitivismus

Entwickelt aus der Kritik am Behaviorismus heraus, um das aktive Lernen in den Blickpunkt zunehmen und entsprechende Lerntheorien daraus zu entwickeln.

Grundannahme: Lerner ist aktiv, verarbeitet äußere Reize eigenständig
gelerntes Verhalten muss nicht direkt zur Anwendung kommen, sondern kann zu einem späteren Zeitpunkt abgerufen werden
kognitive Verhaltens- und Lernstrukturen entwickeln sich nur durch Aktivität des Lerners => bewusstes, entdeckendes, problemlösendes Lernen

Lernen als Informationsverarbeitungsprozess
1. Informationen von außen, z. B. von einem Lehrenden
2. Wahrnehmung, Interpretation und Verarbeitung erfolgt individuell nach Erfahrungs- und Entwicklungsstand (aktives Agieren)

Jean Piaget (1950) als Motor durch seine entwicklungspsychologischen Forschungen
Zum einen beschreibt er den Lernprozess als Akkomodation = neue Begebenheiten führen zu Veränderung oder Neubildung von Verhaltensstrukturen und zum anderen den Lernprozess der Assimilation = Anwendung eines vorhandenen Verhaltensschemas, um die äußere Umwelt zu verändern
Piaget gilt als „Vorbild“ für Lehrsystementwickler wie Saymour Papert, Erfinder der Programmiersprache LOGO

Konzept des entdeckenden Lernens (exploratory learning)
eigenständiges Lernen, suchen und ordnen von Gelerntem mit dem Ziel: Problemlösungsfähigkeit
Entstehung von Transfermöglichkeiten anstatt reines Faktenwissen wie beim Behaviorismus, = Fähigkeit Sachverhalt zu kategorisieren, ähnliche Situationen zu rekonstruieren und Probleme so eigenständig zu lösen

Theorie der Bedeutungsstruktur oder Netzwerktheorie
in Anlehnung an Piaget, allerdings modifiziert dahingehend, dass Schemata nie isoliert stehen, sondern immer im Verbund im Gedächtnis gespeichert werden => Semantisches Netzwerk
Erkenntnis: Lernthemen nie isoliert darstellen, sondern immer im Zusammenhang, mit Verknüpfungen, in Beziehung zu verwandten Themen präsentieren, z. B. im Web durch Hyperlinks

Theorie der Doppelkodierung nach Paivio 1971
Annahme: Speicherung von Lerninhalten immer verbal (textlich) wie imaginal (bildlich), welches beide durch Reize ausgelöst wird
Erkenntnis: Lerninhalte immer bildlich wie textlich darstellen, die positive Wirkung der unterstützenden bildlichen Darstellung zur Speicherung der Inhalte ausnutzen

Theorie der mentalen Modelle (Johnson-Laird & Byrne 1991)
Annahme: Speicherung lediglich von zentralen Merkmalen, bildlich wie textlich, keine komplexen Inhalte
Erkenntnis: zentrale Merkmale in Lerninhalten hervorheben zur Vereinfachung der Abspeicherung im Gedächtnis

Erkenntnisse für computerbasiertes Lernen

  • Crowder 1959: lineare adaptive Lernprogramme mit höherer Flexibilität durch tutorielle Programme als Versuch des Erkennens des individuellen Lernprozesses und des Vorwissens des Lerners, um weiteren Lernprozess auf ihn abzustimmen, z. B. erhöhte visuelle Darstellung oder lieber mehr Text
  • Hilfekommentar bei falschen Lösungen und Angebot von alternativen Lernwegen, um an das gewünschte Ziel zu gelangen
  • eine Weiterentwicklung zu intelligenten tutoriellen Programmen nur ansatzweise realisiert, Idealvorstellung einer intelligenten Software noch nicht erreicht (Stand 1999)
  • Testungen und Entwicklung von intelligenter Software vor allem in militärischen Trainingsbereichen der USA
    unter Bezug von Simulationen und Hypertext

Kritik
Lernprozess ist weiterhin fremdkontrolliert, wenn auch der Lerner aktiv ist

(Quelle: Studienbrief 33073 der Fernuniversität in Hagen, Autoren:  Theo Bastiaens, Markus Deimann, Claudia Schrader, Cordula Orth, Instructional Design und Medien, Hagen)

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