Was ist ID – Instructional Design?

Instructional Design bedeutet die „systematische Vorgehensweise zur Gestaltung und Entwicklung von Lernumgebungen“, um absichtsvolles Lernen optimal zu fördern/zu unterstützen.
Instruktion bedeutet dabei alles, was das Lernen fördert von Unterricht über dessen Vor- und Nachbereitung, der Auswahl der einzelnen Materialien bis hin zur Kontrolle des Lernverhaltens innerhalb einer Lernumgebung, sprich den gesamten Lehr- und Lernprozess.
Instructional Design beruht auf dem behavoiristischen Paradigma und entstand seit den 1930er Jahren. Entwickelt um US-Soldaten massenhaft systematisch auszubilden. Als Pionier gilt Robert M. Gagné, der versucht hat mit seinem „Nine Events of Instruction“ Modell die geeignetste Lernmethode zu finden unter Berücksichtigung von Lernvoraussetzungen und Rahmenbedingungen.
Instructional Design ist angewandte Wissenschaft und Berufsbild zugleich.
Instructional Design steht in engen Bezug zu Pädagogik und Psychologie, enge Referenzbereiche sind Motivationstheorien und Lerntheorien. Eine eindeutige deutsche Übersetzung gibt es für den Begriff „Instructional Design“ nicht, viel mehr werden unterschiedliche Termini verwandt. Erschwerend kommt hinzu, dass Instructional Design kontinuierlich sich verändert durch seine dynamische Natur auf unterschiedliche Lernprozesse und Lernumgebungen eingehen zu wollen.

Kernannahme von Instructional Design => menschliches Lernen wird durch externe wie interne Bedingungen beeinflusst (Erkenntnisse aus der Wissenschaft, damit ist Instructional Design empirisch begründet), dieser Erkenntnisse sollen systematisch zur Entwicklung von Lernumgebungen genutzt werden:
Weinert 1996: Ziel von ID ist technologische Aussagen aus den Ergebnissen der Grundlagenforschung zu treffen
Lowyck/Elen 1991: ID als praktische Anwendung von Ergebnissen der Grundlagenforschung
als Grundlage dient die Motivations- und Kognitionspsychologie

Instructional Design Modelle haben eine technologische Aussage, wie Lernumgebungen beschaffen sein müssen, um das Ziel, der Erhöhung der Erfolgswahrscheinlichkeit von Lehre, zu erreichen.
Lernumgebungen haben eine probalistische Wirkungen, d. h. es gibt keine Erfolgsgarantie, aber man kann die Erfolgswahrscheinlichkeit erhöhen.

Zentrale Merkmale von Instructional Design

  • ID ist wissenschaftliche Disziplin und Berufsfeld zugleich
  • ID ist lernzentriert
  • ID ist zielorientiert
  • ID ist designorientiert (Entwicklung und Gestaltung)
  • Fokussierung auf authentische Anwendung
  • Entwicklung von validen und reliablen Messinstrumenten (Evaluation)
  • Herzstück ist die Empirie = Erhebung und Auswertung von Daten
  • ID ist replikativ und synthetisieren
    (ID-Modelle sollen möglichst auf unterschiedlichste Kontexte anwendbar sein)
  • ID ist häufigst die Teamarbeit, aber auch von einem Einzelnen leistbar

Reigeluth grenzt ID-Modelle von der Lerntheorie, von der Instruktionstheorie und von der Curriculums-Theorie ab.

Instructional Design erfolgt als systematischer Prozesse, der in Teilschritten sich vollzieht. Den Prozess der systematischen Planung nennt man Instructional Technology.

Kernmerkmale von Instructional Technology sind Fragen nach …

  • … Charakteristika der Zielgruppe
  • … Lernziele
  • … Lehr- und Lernmethoden
  • … Lehr- und Lernaktivitäten
  • … Evaluationsverfahren

Phasen des systematischen Planungsprozesses = ADDIE-Modell

  • Ananlyse
  • Design
  • Development (Entwicklung)
  • Implementation
  • Evalution

ADDIE-Modell = Ur-Modell von Gagné
Die Schritte haben ein iteratives Verhältnis zueinander, so dass ständige Rückschlüsse der einzelnen Schritte erfolgen und jeder Schritt  enthält implizit eine Problemlöse-Orientierung.
ADDIE-Modell als Grundlage für viele ID-Modelle. Eine praktische Umsetzung erfolgt aufgrund erheblicher Kosten für die langwierige Analyse meist nicht.

Unterschiedliche Instructional Design Modelle, drei Beispiele zeigt der Studienbrief:
„Nine Events of Instruction“ von Gagné 1965, umfassendes Ordnugnssystem, das bestimmte Lernphasen bestimmten Instruktionsschritten zuordnet und zum Ziel die Sicherung von Lernvoraussetzungen und die Differenzierung von didaktischen Prozessen basierend auf Lehrzielkategorien hat. Gagné unterscheidet zwischen kognitiven, affektiven und psycho-motorischen Lernzielen.
Modell von Dick und Carey 1996, in Anlehnung an das ADDIE-Modell aber mit umfassenderen Rahmen für die einzelnen Schritte.
Beide genannten Modelle enthalten keinerlei Hinweise auf einen mediendidaktischen Einsatz, können aber hierfür genutzt werden.
Zu dem wird  das ACRS-Modell von John Keller (1983) aufgeführt, das auf motivationale Aspekte des Lernens aufbaut.
A steht dabei für Aufmerksamkeit, R für Relevanz. C für Confidence (Zuversicht) und S für Satisfaction (Zufriedenheit).
Keller entwickelt daraus in Anlehnung an das ADDIE-Modell ein zehnstufigen Designprozess. Das ACRS-Modell wurde bereits erfolgreich in medienbasierenden Lernumgebungen angewandt und zeigt eine positive Auswirkung auf Motivation und Lernerfolg.
Deimann übt Kritik am ACRS-Modell, weil dieses zu linear ist und auftretende Motivationsschwankungen nicht berücksichtigt. Deimann entwickelt ein Volitional Design Modell, das basiert auf ebenfalls auf dem ADDIE-Modell unter Berücksichtung der volitionalen Forschung. Die Analysephase wird hier durch einen entwickelten Willenstest umgesetzt. Der Willenstest ist ein onlinebasiertes Instrument zur Diagnose individueller Willensstärke.

Kritik an Instructional Design Modellen

  • behavioristische Orientierung verhindert die Repräsentationvon komplexen kognitiven Vorgängen
  • Lernender wird kaum gefördert, ist passiver Rezipient von Informationen
  • Paradox: postulierte Ausrichtung einer offenen Systemtheorie steht dem praktisch geschlossenen System gegenüber
  • ISD ist zu langsam und schwerfällig für moderne medienbasierte Gesellschaft
    und bietet nur suboptimale Lösungen

Kritik wurde massiv als man vom Kognitivismus zum Konnektivismus überging.

(Quelle: Studienbrief 33073 der Fernuniversität in Hagen, Autoren:  Theo Bastiaens, Markus Deimann, Claudia Schrader, Cordula Orth, Instructional Design und Medien, Hagen, hier Seite 31 bis Seite 43)

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