Der Impulsbeitrag regt mich an weiter über das wissenschaftliche Arbeiten nachzudenken. In einigen Modulen des Studienganges B.A. Bildungswissenschaft der Fernuniversität in Hagen klang es immer wieder an, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich das alles schon so erfasst habe. Deshalb ein Versuch sich auf die Insel der Forschung zu begeben und etwas näher das Wissenschaftliche Arbeiten, das Forschen an sich zu betrachten.

Was ist wissenschaftliches Arbeiten?

Ich lege mal den Text „Innovation ohne Forschung“ von Gabi Reinmann zugrunde. Dieser bezieht sich konkret auf das Forschen im sozialwissenschaftlichen bzw. bildungswissenschaftlichen Bereich und zeigt auf, dass Forschung zwar durchaus passiert, aber eigentlich kaum Innovationen hervorbringen.

Aber was heißt hier eigentlich Innovation?

Innovation ist vor allem eine neuartige Idee mit der Bedingung der Realisierbarkeit sprich die Idee muss Veränderung z. B. des Bildungssystems herbeiführen und z. B. der Gesellschaft oder den Schülern Nutzen bringen (S. 53f). Vor allem wird der Begriff in den Wirtschafts- und Naturwissenschaften geprägt. Es sind bahnbrechende Ergebnisse, die allerdings erst als Innovation bezeichnet werden, wenn sie Nutzen erbringen, z. B. wenn ein Produkt produziert und verkauft wird; der neue Impfstoff produziert und verwendet wird.
Reinmann schreibt, dass innerhalb der Sozialwissenschaft zwischen zwei Begriffen der Innovation unterschieden werden muss: dem traditionellen Innovationsverständnis und dem modernen Innovationsverständnis. Nach dem traditionellen Innovationsverständnis muss eine Innovation nicht nur neuartig sein, sondern radikal und revolutionär. Dem modernen Innovationsverständnis nach sind die Effekte von Innovationen nicht so dramatisch und teils erst auf längere Sicht hin spürbar. Als Beispiel nennt Reinmann das Automobil, welches am Anfang teuer und nicht beliebt war und heute ein normaler Alltagsgegenstand ist. Interessant ist hier, dass jeder zum Ideengeber werden kann ob Wissenschaftlicher, Experte oder Laie und die Teamarbeit im Vordergrund steht anstatt individuelle Einzelleistungen.

Gerade im Bildungsbereich sollte vom modernen Innovationsverständnis ausgegangen werden. Für radikale und revolutionäre Durchsetzung von Ideen fehlt es Politikern zum Teil am Mut, aber was entscheidender ist: Innovationen im Bildungssystem können erst nach einigen Jahren gemessen werden. Diese Zeit fehlt für das Durchhalten von traditionell verstandenen Innovationen. Ein Umdenken ist hier erforderlich, um Finanzierungen nicht frühzeitig einzustellen; Rahmenbedingungen, Materialien und Veranstaltungen an Qualität gewinnen zulassen und Forschungsfeldern mit Innovationen eine Chance zu geben.

Manfred Moldaschl der TU Chemnitz bezieht sich auf die Innovationsforschung und fragt sich, ob es überhaupt Innovationstheorien gibt. Auch Moldaschl sagt, dass „nur radikale Innovationen als gute Innovationen“ gelten, wobei gut sich auf die Vermarktung und die Rendite bezieht. Gleichzeitig zeigt Moldaschl auf, dass dieses „im krassen Kontrast zur Realität“ steht und keine Studien beleben könnten, dass radikale Innovationen als „besser, rentabler, anerkannter“ sind.
Moldaschl definiert „Innovation als Erfindung neuer Kombinationen und Anwendungen“ (S. 7), damit entnimmt er den Druck des Wortes „Innovation“ und schließt die Forderung nach einer Realisierung und Nutzung ein.

Wie erreicht man Innovationen mittels Forschung und was ist Voraussetzung (in Bezug auf Bildungswissenschaft)?

Voraussetzung für moderne Innovationen im Bildungssystem ist ein Glaube an die Innovationen (Reinmann), damit ihnen die nötige Zeit und Energie zuteil wird wie es oben beschrieben ist.
Wenn also Prof. Bastiaens im Impulsbeitrag davon spricht, dass wissenschaftliche Arbeiten einen Mehrwert für Wissenschaft und Gesellschaft/Praxis haben sollten, sind dann Innovationen gemeint? Gabi Reimann allerdings schreibt, dass Forschung und Innovation wenig gemein haben und durch bisherige Forschungsmethoden nur sehr unzureichend Innovationen (besonders für die bildungstechnische Praxis) hervorbringen.
Als einen möglichen Forschungsansatz nennen sowohl Bastiaens wie auch Reinmann den DBR design-based resaerch Ansatz. Darum wird es dann vermutlich im nächsten Blogartikel gehen.

Innovation

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