Jetzt passt die Reihenfolge zwar nicht, aber irgendwie will es mir gerade nicht so erschließen und nun der Versuch es hier nochmal zusammenzufassen – ohne Gewähr auf Richtigkeit und Vollständigkeit.

Schon die Einordnung finde ich schwierig, da sich die Gegenwartsanalyse auf einen relativ langen Zeitraum zieht und Bourdieu damit hineinspielt. Doch Bourdieu bezieht sich auf die französische Gesellschaft und überträgt dies dann, wohingegen Dahrendorf internationale Entwicklungen, besonders die der OECD-Länder, zugrundelegt.

Dahrendorf bezeichnet die Gesellschaft als Bürgergesellschaft mit einer Anrechts- und Angebotsstruktur, die möglichst ausgeglichen sein sollte. Diese Struktur entwickelte sich seit den 1960er Jahren durch ein Wirtschaftswachstum und dem gleichzeitigem Wachstum von Anrechten.  Anrechte sind als individuelle Zugangsrechte zu den Märkten, den Angeboten, zu verstehen und unterteilen sich in harte (Grundrechte) und weiche (Reallöhne) Rechte der Bürger einer Gesellschaft. Anrechte stehen in enger Beziehung zu den Angeboten und geben den Bürgern die Möglichkeit der gesellschaftlichen Teilhabe. Nach Ansicht von Dahrendorf entwickeln sich Gesellschaften durch soziale Konflikt wie z.  B. einen Klassenkampf (vgl. Marx). Soziale Konflikte sind dabei im stetigen Wandel. Waren es erst noch soziale Aspekte geprägt von ökonomischen Interessen, wandelten sie sich im Laufe der Geschichte zu gleichen Zugängen zu Bürgerrechten für alle Mitglieder der Gesellschaft, Forderungen nach Bildung für alle.

Soziale Konflikte sind immer begleitet von Barrieren. Die neuen Barrieren sind Diskriminierung, Verwehrung von gesellschaftlicher Teilhabe, Mobilitätsbarrieren und Reallöhne. Dahrendorf sagt, dass es in einer Bürgergesellschaft keinerlei Barrieren geben dürfe.
Die Bürgergesellschaft ist charakterisiert durch einen freien Gestaltungswillen der Bürger. Die Bürger sind mündige Bürger, die ihr Handeln selbst bestimmen. Idealerweise haben sie eine ausgeglichene Angebots- und Anrechtsstruktur, real ist diese nicht gegeben! Dies ist aber eine wichtige Voraussetzung für die Umsetzung von Lebenschancen jedes Einzelnen. Die bürgerliche Teilhabe wird eingeschränkt durch politische, wirtschaftliche und soziale Mittel. Eine wichtige Funktion kommt den Legiaturen zu teil. Sie sind notwendige Sicherungselemente, um den Bürger vor zuviel Eingriff durch den Staat zu schützen. Legiaturen sind Institutionen und Organisationen, die nicht staatlich sondern autonom sind. Legiaturen bieten die Chance zur Wahlfreiheit zwischen und Realisierung von Lebenschancen bzw. Lebensinteressen.

Neue Anrechtsbarrieren wie auch die Bürokratisierung von verschiedensten Dingen des Alltages sind durch den zunehmenden Keyniasmus entstanden. Keyniasmus bedeutet, dass die Regierung der Auffassung sind, dass sie alle Probleme von Naturkastrophen bis zur Massenarbeitslosigkeit lösen können und nicht nur innerstaatlich, sondern weltweit. Der Wohlfahrtsstaat wurde zur Verkörperung von Bürgerrechten. Durch Konjunktureinbrüche kam es zu Enttäuschungen auf Seiten der Bürger, die das Vertrauen in den Wohlfahrtsstaat, in den stetigen Wirtschaftswachstum verloren. Die Anrechtsseite sank im Gegenzug zur Angebotsstruktur. Gesellschaftliche Probleme wie Verringerung der Lebenschancen einzelner sowie die Beeinträchtigung der Entwicklung der Gesamtgesellschaft traten zu Tage durch den Auslöser von stagnierender Wirtschaft bzw. negativen Wirtschaftswachstum, zunehmender Umweltbelastung, hohe Arbeitslosigkeit und soziale Ungerechtigkeiten sowie der Ölkrise. Es entwickelte sich nicht die gewünschte Vielfalt, sondern eine Exklusivität bestimmter Gesellschaftsgruppen, andere wurden ausgeschlossen vom Gesellschaftsleben => Trennlinie zwischen Mehrheits- und Unterklasse. Die Mehrheitsklasse grenzt sich immer weiter von der Unterklasse, die Mehrheitsgruppen sondern sich von Ausgeschlossenen, Andersartigen ab. Es findet kein Voneinanderlernen mehr statt, die Entwicklung der Gesamtgesellschaft wird gelähmt. Die Bürger verlieren den wichtigen Glauben an gesellschaftliche Regeln = Anomie.

Anomie bedeutet das Gefühl des Nichteingebundenseins von Menschen in die Gesellschaft. Sie geht einher mit dem Nichteinhalten von Gesellschaftsregeln, es kann zu Wirtschaftskriminalität, Ehebruch, Kindesmissbrauch kommen. Bourdieu macht dies deutlich durch die Nichteingebundenheit von Einwandern, ältere wie jüngere, wobei die Jüngeren zu Gewalt und Vandalismus tendieren. Durch Anomie entstehen neue Barrieren und neue soziale Lager, weil die Mehrheitsklasse sich zunehmend bedrohter fühlt durch andere Gruppierungen und sich abzugrenzen versucht durch Schaffung neuer Barrieren.

Anrechte müssen von den Bürgern eingefordert werden, aber nicht immer ist dies der Fall. Es kann auch zu Situationen kommen, in den Bürger freiwillig oder gezwungen auf die Durchsetzung von ihren Rechten verzichten. Bürger akzeptieren Anrechtsbarrieren und es kommt zu sozialen Schließungsprozessen. Dies führt zu sozialen Konflikten. Oder die Bürger verlieren die Motivation sich für ihre Bürgerrechte einzusetzen und diese weiterzuentwickeln. Sie ruhen sich auf ihren Errungenschaften der Vergangenheit aus. Dieses führt zum Stillstand und ist nicht im Sinne dieser.
Dahingegen sich das Auflehnung gegen herrschende Anrechtsbarrieren als sozialer Konflikt entwickelt und es zu Verteilungskonflikten der Anrechte kommt. Dies hat zur Folge, dass Teile der Mehrheitsklasse in die Unter- oder Oberklasse auf- oder absteigen und die Mehrheit deinen Motivationsverlust erleidet. Es kann zur oben benannten Anomie führen.

 

Wichtige zusammenfassende Stichworte:

  • Bürgergesellschaft
  • Anrechte und Angebot als wichtigste Elemente
  • Anrechtsbarrieren blockieren die Entwicklung des Einzelnen und der Gesamtgesellschaft
  • Anrechtsbarrieren führen zu Verteilungskämpfen und sozialen Konflikten
  • Legiaturen sind die Sicherungselemente vor zu viel Eingriff des Staates und zur Sicherung der Bürgerrechte
  • reale Lebenschancen sind an Legiaturen gebunden
  • Bürger sind zur Teilhabe aufgerufen und müssen Anrechte durchsetzen und einfordern und stetig verbessern
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