Als Entstehungsjahr der Sozialpsychologie wird das Jahr 1908 angesehen, in dem zwei wichtige amerikanische Lehrbücher mit Thematik Sozialpsychologie erschienen sind. Doch schon Gustav A. Lindner (1828-1887) verwendete 1871 den Begriff „Sozialpsychologie“ wie wir ihn heute kennen.

Charles Cooley (1864-1929) führte den Begriff der „primary group“ oder Primärgruppe ein. Primärgruppen sind gekennzeichnet durch den direkten Kontakt von Angesicht zu Angesicht (face-to-face) und von fundamentaler Bedeutung für die Formung der sozialen Persönlichkeit. Als Beispiel sind hier die Familie, Nachbarschaft, Arbeitskollegen oder Freundesgruppe der Kinder zu nennen.

Eines der ersten Experimente mit sozialpsycholgischen Ansätzen ist das Schrittmacherexperiment von Norman D. Triplett (1898).

Die Anfänge der Sozialpsychologie sind geprägt durch die Untersuchung von Wettbewerbssituationen, den Einfluss der Anwesenheit Anderer auf die Leistung des Einzelnen (z. B. Walther Moede), Gruppenwirkungen (Floyd H. Allport, angeregt von Hugo Münsterberg), frühe Kleingruppenforschung (Jakob L. Moreno, William F. Whyte, Muzafer Sherif, Kurt Lewin), Autokratische Persönlichkeit (Theodor W. Adorno) innerhalb der Einstellungs- oder Attitüdenforschung.

Die Sozialpsychologie war in den Anfängen vor allem anwendungsorientiert (praktische Nutzanwendung) und profitierte in Form von Fragestellungen und Methoden, die entwickelt und weiterentwickelt wurden, sowie durch die Prägung von wichtigen Begriffen innerhalb der Sozialpsychologie.
Zu nennen ist da die Begriffseinführung der primary group (Primärgruppe) 1902 durch Charles H. Cooley. Aber auch „social facilitation“ also die soziale Aktivierung durch Flyod H. Allport. Social facilitation beschreibt die Tatsache, dass nicht der Gruppengeist oder die Gruppenseele bzw. die Wettbewerbssituation für die Leistungsveränderungen unter Anwesenheit anderer verantwortlich ist (wie Moede sagt), sondern die Tatsache, dass man bei der Arbeit andere Menschen hört oder sieht. Leistungssteigerungen rühren also von der sozialen Aktivierung durch bloße Anwesenheit. Walther Moede hat die Leistungssteigerung zuvor hingegen auf Geltungsstreben und Äquivalenzgefühle zurückgeführt. Moreno hat die Sozialpsychologie bereichert durch soziometrische Befragungen und deren grafische Darstellung in Form von Soziogrammen. Weiter sind Kripal S. Sodhi (konformes Verhalten und soziale Stereotype) sowie Peter R. Hofstätter zu nennen, die bedeutende Sozialpsychologen der Nachkriegsjahre in Deutschland waren. Weiter darf Louis Leon Thurstone nicht vergessen werden, der standardisierte Einstellungsskalen entwickelte, die weitverbreitet sind. Herbert Hyman prägte 1942 den Begriff „reference group“ (Bezugsgruppe) und weist somit auf die Bedeutung sozialer Gruppen für den sozialen Vergleich hin und stellt somit eine wichtige Beziehung zwischen Einstellungen und Gruppen her. Fritz Heider stellte mit seinem theoretischen Modell „Balancemodell“ den Zusammenhang von Einstellungen und Sozialbeziehungen dar.

Nach dem zweiten Weltkrieg dann die spätere Kleingruppenforschung (Robert F. Bales, Solomon E. Asch, Stanley Schachter, Kogan & Wallach, Bavelas & Leavitt), Theorie sozialer Vergleichsprozesse und Theorie der kognitiven Dissonanz (Leon Festinger), psychoanalytsiche Aggressionstheorie (Alexander Mitscherlich), Triebtheorien (Mitscherlich, Konrad Lorenz).
Die spätere Kleingruppenforschung war geprägt von detaillierter Gruppenforschung unter Laboratoriumsbedingungen, die meist aus praktischen Interesse entstandt.

Kleingruppenforschung 1950er

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