Viele Psychologen, Sozialpsychologen, Pädagogen, Soziologen und Philosphen sind vor und während des 2. Weltkrieges aus Deutschland emigriert. Die Erkenntnisse und Forschungsergebnisse und neuen Methoden aus den USA sind nur schleppend nach Deutschland gekommen. Im Deutschland der Nachkriegszeit herrschte eher eine Restauration der Vorkriegsverhältnisse in Bezug auf Hochschullehre (bedeutet keine experimentelle Labor- und Feldforschung, sondern Schreibtischarbeit im Sinne Wundts), Lehrstuhlinhaber und Lehrinhalte. Auf Hochschulebene gab es nur ein Institut der Sozialpsychologie mit kurzer Verweildauer, welches durch Willy Hellpach bereits 1921 in Karlsruhe gegründet wurde. Im Unterrichtssystem gab es keine grundsätzlichen Veränderungen. Lehrstuhlinhaber waren meist nicht entnazifiziert worden oder gar enthobene Professoren wiedereingestellt worden. Es herrschte eine Kultur des Beschweigens: Studierende wussten nichts über die Vergangenheit ihrer Professoren, zwanizig Hochschulen prüften noch in Völkerpsychologie, der Begriff der Völkerpsychologie hielt sich bis in die 1970er Jahre, wobei nicht bekannt ist, ob er im Sinne Wundts verwendet wurde oder eine Vermengung mit der Kulturanthropologie und der Sozialpsychologie vermittelt wurde. Die finanziellen Mittel für Universitätsbibliotheken sowie Psychologische Institutsbibliotheken waren sehr gering. Es fehlte an neuen Erkenntnissen und Ergebnissen aus dem Ausland, aber auch Professoren verschlossen sich vor neuen Einsichten,  deshalb herrschte weitverbreitete eine Lehre veralteter Ansichten, Theorien und Thesen. Studierende führten nicht selten ein Doppelstudium: dem angebotenen universitären sowie einem Selbststudium  des angelsächsischen Mainstreams teils durch Literatur aus den Amerikahäusern.

Praktische Psychologen konnten vorerst nicht weiterarbeiten durch den Wegfall der Wehrmachtspsychologie. Neue Arbeitsfelder gab es vorerst nicht und deshalb gab es einen häufigen Wechsel in andere Berufsfelder. Erst Mitte der 1960er Jahre entstand ein Berufsboom unter den praktischen Psychologen ausgelöst durch neue wichtige Psychotherapie-Verfahren und der entsprechenden Nachfrage nach Beratung und Therapie.

Zu den führenden Sozialpsychologen in der frühen Bundesrepublik Deutschland zählen neben Willy Hellpach (1877-1955) Leopold von Wiese (1876-1969), Hans Anger (1920-1998), sowie Kriphal S. Sodhi (1911-1961), Peter R. Hofstätter (1913-1994) und Martin Irle (1927-2013).
Willy Hellpach gründete das erste, aber sehr kurzweilige, Institut für Sozialpsychologie an der Universtität Karlsruhe. Er brachte die vielbeachteten und verwendeten Lehrbücher „Einführung in die Völkerpsychologie“ (!932,  mit Überarbeitung 1945) und „Lehrbuch der Sozialpsychologie“ (1951) heraus. Seine Lehr- und Buchinhalte waren die Auseinandersetzung mit der Gesellschaft als Sozialorganismus, Betrachtungen über den Einfluss des Klimas auf menschliches Handeln sowie die Physionomik. Allerdings brachte er nach 1945 die Sozialpsychologie nicht voran, ob es am fehlenden Wissen von amerikanische Studien war oder ob sie nicht seinen Vorstellungen entsprachen ist unbekannt.
Leopold von Wiese war Soziologe und brachte Morenos Erkenntnisse nach Deutschland durch die Rezension Morenos Werk „Who shall survive?“ und das Vorantreiben der Übersetzung von Morenos Buch.
Hans Anger  gründete und baute ab 1962 das Institut für Sozialpsychologie in Köln auf. Seine ziele waren die Replikation klassischer sozialpsychologischer Experimente, Weiterentwicklung von methodischen Standards sowie die Vermittlung der Geschichte der Sozialpsychologie.
Der Universitätsboom ab Anfang der 1960er Jahre brachte weitere sozialpsychologische Lehrstühle mit dem primären Ziel der Aufarbietung und Erweiterung amerikanischer Sozialpsychologie.
Kriphal S. Sodhi forschte im Bereich der Konformitätsforschung, der sozialen Wahrnehmung und der Stereotypenforschung. Sodhi vertrat als einer der wenigen in Deutschland zu der Zeit eine moderne, experimentelle Sozialpsychologie unter Einfluss von Köhler, Gutschfiled, Asch und hatte deshalb häufig Dispute mit den Etablishment. Sein früher Tod brachte ihm und seinen Forschungen nur wenig Aufmerksamkeit.
Peter Hofstätter hat trotz rechtspolitscher Ausrichtung wichtige Verdienste für die deutsche Sozialpsychologie durch die Veröffentlichung des Fischer Lexikons für Psychologie 1957 und „Gruppendynamik“ 1957 und somit der Verbreitung amerikanischer Sozialpsychologie in Deutschland.
Martin Irle war Sprecher des Sonderforschungsbereichs 24 „Sozialwissenschaftliche Entscheidungsforschung“ an der Universität Mannheim. Der Sonderforschungsbereich ermöglichte es jungen Wissenschaftlern experimentell zu forschen und sich wissenschaftlich zu qualifizieren. Außerdem ermöglichte es Gastprofessuren aus den USA und die Lektüre von Publikationen im Kontext der Dissonanztheorie und der neueren Entscheidungstheorie.
Irle und dem Sonderforschungsbereich gelang die allmähliche Internationalisierung der deutschen Sozialpsychologie.

Die Sozialpsychologie der DDR war geprägt durch Kurt Gottschaldt (1902-1991), einem Gestaltungspsychologen, der zum wir-Gruppenkonzeopt und Führungsstilen im Sinne Kurt Lewins forschte und 1962 nach Göttingen „auswanderte“. Aber auch durch Hand Hiebisch (1922-1990) von der Uni Jena. In der DDR war die Forschung und Lehre geprägt duch amerikanische Theorien, Modelle und Methoden, aber immer unter der Angabe theoretischer Grundannahmen eines marxistisch-leninistischen Ansatzes, zumindest auf dem Papier.

Europäische Entwicklung
Gründung  der EASP (=European association of Sozial Psychology) durch die Initiative amerikanischer Wissenschaftler bzw. durch die SSRC (=Social Science Research Council, einem Zusammenschluss amerikanischer Fachorganisationen). Das SSRC wurde von Leon Festinger geleitet und hatte zum Ziel die Verbreitung der (amerikanischen) Sozialpsychologie in Europa.

EASP Eckpunkte

  • Ausrichtung auf experimentelle Sozialpsychologie
  • bewusste kleine Gruppe von Forschern mit strengen Aufnahmeregeln
  • Universitätsboom = Mitgliedsanstieg ab 1970er Jahre
  • Integration von Ost und West
  • Aufrechterhaltung und Herstellung von Arbeitsbeziehungen zwischen west- und osteuropäischen sowie west- und ostdeutschen Sozialpsychologen
  • bewusste Stärkung Osteuropas
  • Besonderheit: Sommerschulen = junge Wissenschaftler arbeiten gemeinsam an einer Fragestellung und führen experimentelle Untersuchungen durch
  • EASP hat sich mittlerweile verselbstständigt
  • Verdienste:
    Erforschung non-verbaler Kommunikation (Michael Argyle)
    Gruppenpolurisation (Serge Moscovici)
    Intergruppen-Beziehungen (Henri Tajfel)
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