Soziale Kognition ist der Prozess des Erwerbs, der Organisation und Anwendung von Wissen über sich selbst, über andere und soziale Beziehungen. Er besteht aus der Erstellung und Abspeicherung von mentalen Repräsentationen (Wissensstrukturen) sowie der flexiblen Anwendung und Nutzung dieser zur Urteilsbildung und Entscheidungsfindung.

Mentale Repräsentationen können in unterschiedliche Typen aufgeteilt werden:

Schema | Skript | Kategorie | Stereotype | Prototype | Assoziatives Netzwerk

Die soziale Realität setzt sich aus objektiven Daten und subjektiven Erwartungen, Zielen und Bedürfnissen des Wahrnehmenden zusammen. Und die Interpretation der sozialen Realität einer Person ist abhängig von der Informatonsverarbeitung.

Der soziale Informationsverarbeitungsprozess verläuft in drei Phasen:

  1. initiale Wahrnehmung
  2. Enkodierung und Interpretation des Stimuli
  3. Urteilen und Entscheiden

Es erfolgt ein Kategorisierungsprozess als Grundlage für effektive soziale Interpretaton, kann aber auch zu voreiligen und falschen Schlussfolgerungen führen.

Die soziale Informationsverarbeitung ist abhängig von

  • dem Zusammenspiel von Stimulus und Vorwissen = top-down oder bottom-up | konzept- oder datengeleitet
  • der Menge der zu verarbeitenden Informationen = systematische oder heuristische Verarbeitung
  • dem Verhältnis zwischen automatischer und kontrollierter Informationsverarbeitung

Der sozialen Informatinsverarbeitung liegen dabei folgende Bedürfnisse zugrund:

  • Bedürfnis nsch akkurater Information
  • Bedürfnis nach positiver Selbstbewertung
  • Bedürfnis nach Konsistenz

Die Bedürfnisse steuern dabei die soziale Informationsverarbeitung via

  • Selektion von Informationen
  • Art und Weise der Informationsverarbeitung

Die Rationalität des menschlichen Entscheidungsverhaltens wird beeinflusst durch die Bedeutung der Umwelt und von der Optimierung einzelner Entscheidungen. Dazu folgende Ansätze:

Prospect Theory von Kahnemann und Tversky, die davon ausgeht, dass menschliches Entscheidungsverhalten rational nach dem Prinzip der Nutzenmaximierung erfolgt. Allerdings mit einigen Verzerrungen (bias).

Mathematische Rationalität wird aber nur sehr selten erreicht, viel mehr erfolgt das menschliche Entscheidungsverhalten im Alltag nach Heuristiken. Man unterscheidet zwischen:

  • Verfügbarkeitsheuristik
  • Repräsentationsheuristik
  • Anker- und Anpassungsheuristik

Das Entscheidungsverhalten ist weiterhin geprägt durch einen positive frame (Absicherung des Gewinns) oder einem negative frame (Verlustvermeidung trotz erhöhtem Risiko) laut Esser.

Gigerenzer und Team bescheinigen in der Theorie der begrenzten Rationalität dem Menschen eine beschränkte Verarbeitungskapazität zur Entscheidungsfindung, demzufolge kann menschliche Entscheidungsfindung nur sehr selten rational erfolgen. Selten (2001) entwickelte hierzu die Anspruchs-Anpassungs-Theorie.

Das Entscheidungsverhalten unterliegt aber auch dem Einfluss von Stimmungen.

Stimmungen sind nach Bless (1997):

a) Gefühlszustände mit geringer Intensität
b) auf ein Objekt gerichtet
c) deren Ursache liegt nicht im Aufmerksamkeitsfokus
d) keine direkte Reaktion auf Verhalten, Emotionen, Kognitionen
e) informativ für die allgemeine Qualität des eigenen Zustandes
Stimmungen können über einen längeren Zeitraum sich erstrecken und ziehen eine erhebliche Varianz an beobachtbaren Verhalten nach sich.

Die eigene Stimmung gilt als Indikator für eine Situationsanalyse.
positive Stimmung => unproblematische Situation, Rückgriff auf allgemeine Wissensstrukturen, Argumentequalität nachrangig
negative Stimmung => problematische Situation, = Motivation zu spezifischeren Repräsentationen und genauerer Problemanalyse, hohe kognitive Leistung, Qualität der Argumente sehr wichtig

Stimmungen gelten als Motivationsregulativ
– Streben anch positiver Stimmung
– eigene Stimmung als Regulativ für Aufgabenbearbeitung

positive Stimmung ermöglicht Höchstleistungen wie FLOW, führt zu kreativen und befriedigenden Lösungen und die Verwendung von allgemeinen Repräsentationen lassen neue Zusammenhänge entdecken.
negative Stimmung hingegen zwar mit hoher kognitiver Leistung, aber gleichzeitigem Verlust von Kreativität und Motivation.

Joseph Forges (2002) AIMAffect Infusion Modell

4 Prozessstrategien, die Menschen in sozialen Situationen anwenden und die durch unterschiedliche Stimmungen beeinflussbar sind. Deren Verwendung maßgeblich durch die jeweilige Person, deren Aufgabe und der jeweiligen Situation beeinflusst wird . Die Prozessstrategien lasen sich unterscheiden wie anfällig sie für den Einfluss von Affekten sind.

Als letzter Punkt sind die Attributionen aufgeführt, dass sind die Schlussfolgerungen des Beobachters bezüglich der Ursachen des Verhaltens eines anderen oder es eigenen (selbstbezogene Attribution). Sie werden ausgelöst durch negative oder unerwartete Ereignisse (=Ursachenanalyse).
Attributionsdimensionen zur Systematisierung der vielfältigen Möglichkeiten sind:

  • Lokation (interne/personale oder externe/situationale Ursachen)
  • Stabilität (stabile oder instabile Ursachen)
  • Kontrollierbarkeit (kontrollierbare oder unkontrollierbare/zufällige Ursachen)

Der Attributionsprozess ist der Erschließungsprozess von Handlungsursachen mit der Funktion zur Ermöglichung von Prognosen möglicher Entscheidungen/Ursachen und der Ursachenkontrolle.

  • Theorie der korrespondierenden Schlussfolgernung (Jones und Davis 1965)
  • Kovariationsprinzip (Kelley 1973) als idealtypisches Prinzip
  • Konfigurationsprinzip (Kelley 1973) bei Zeitmangel oder unvollständigen Informationen mit Rückgriff auf einfache Attributionsstrategien wie die Verwendung kausaler Schemata
  • Duale-Prozess-Modelle der Attribution (Gilbert et al. 1988)

Die kausalen Attributionen können durch bestimmte kognitive und/oder motivationale Prozesse verzerrt werden = Attributionsverzerrungen. Die eigenen Erklärungen haben Vorrang. Man unterscheidet zwischen:

  • Korrespondenzverzerrung
  • Akteur-Beobachter-Divergenz
  • selbstwertdienliche Attributionsverzerrung
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