Es geht um Personenwahrnehmung, den ersten Eindruck und die Bildung eines Eindrucks im Allgemeinen.
Im Alltag nehmen wir eine Person ganz automatisch und unbewusst war. Dieser Vorgang ist unbewusst und führt zu einer unreflektierten Wahrnehmung und einem entstehenden Bild der anderen Person, welches sich dann wiederum auf das zwischenmenschliche Verhältnis auswirkt.

Zuerst entsteht der schon fast berühmte „erste Eindruck„. Es gibt unterschiedliche Ansätze wie die Eindrucksbildung verläuft. Besonderheiten sind dabei:

  • Positivität und Negativität
  • Reihenfolgeeffekte (primacy und recency effect)
  • Holoeffekt
  • aktive oder passive Informationssuche
  • Alter und Länge der Beziehung

Ein Eindruck kann verändert werden, aber der erste Eindruck wird niemals vollständig aufgegeben. Im Klartext: der erste Eindruck ist und bleibt entscheidend und beeinflusst nachwirkend das zwischenmenschliche Verhältnis bzw. die Beziehung und das Sozialverhalten gegenüber der anderen Person. Eine Eindrucksänderung ist abhängig von der Motivation zur Integration zusätzlicher Informationen sowie von der Verarbeitung konsistenter Informationen.
Die Aufrechterhaltung vom ersten Eindruck, von der ersten Eindrucksbildung ist abhängig von der Tendenz zur Beharrung, der konfirmatorischen Informationssuche und der sich selbsterfüllenden Prophezeihung.
Die Frage wie leicht man sich von den Erwartungen anderer dazu verleiten lässt ihre Eindrücke zu bestätigen (sich selbst erfüllende Prophezeihung) ist abhängig von der Stärke des eigenen Selbstbildes, dem besusstseind, dass der Interaktionspartner bestimmte Vorstellungen über einen selbst hat und der eigenen Motivation.

Als Eindruck selbst beschreibt man das Gesamtbild einer Person oder eines Gegenstandes, welches sich zusammensetzt aus allen verfügbaren Informationen. Wie die Eindrucksbildung verläuft wird aus unterschiedlicher Perspektive in der Sozialpsychologie beleuchtet:

  • eigenschaftsbasierte Eindrucksbildung
  • kategoriebasierte Eindrucksbildung
  • konnektionistische Eindrucksbildung

Die eigenschaftsbasierte Eindrucksbildung unterscheidet zentrale und periphere Persönlichkeitsmerkmale mit unterschiedlich starkem Einfluss (stark/schwach) auf die Eindrucksbildung (Salomon Asch, 1946) und entsteht durch Gewichtung und Mittelung der einzelnen Merkmale (Weight Average Modell, Lampel und Anderson).
Außerdem zählt man die Information Integration Theory von Anderson sowie die implizite Persönlichkeitstheorie ebenso zur eigenschaftsbasierten Eindrucksbildung. Die implizite Persönlichkeitstheorie beinhaltet die Vorstellung, das bestimmte Persönlichkeitsmerkmale gemeinsam aufteten, zusammenpassen bzw. zusammengehören. Diese bezeichnet man als implizit, weil sie unbewusst wahrgenommen und kategorisiert werden. Sie sind Kultur/Gruppen abhängig, entstehen durch Sozialisationsprozesse, können hochgradig idiosynkratische Elemente, aber ach spezifisch biographische Elemente aufweisen.
Nach der Information Integration Theory (IIT) werden alle Informationen nach bestimmten mathematischen Regeln zu einem Gesamteindruck integriert, dabei hat jede Information einen Wert im Sinne von positiv/negativ/neutralem Einfluss auf den Eindruck und ein bestimmtes Gewicht, mit dem sich diese bewertung auf die Eindrucksbildung auswirkt. Nach Rosenberg schließen Personen von einem beobachtbaeren Merkmal auf andere nicht beobachtbare Merkmale, dabei sind die beiden Dimensionen Soziabilität und Intelligenz (bzw. Kompetenz) nicht unabhängig voneinander.

Die kategoriebasierte Eindrucksbildung nennt das duale Prozessmodell nach Brewer sowie das Kontinuum-Modell nach Fiske und Neuberg. Beide Modelle gehen von der Annahme aus, dass die Personenwahrnehmung durch Kategorisierung von Merkmalen beginnt. Und beide Modelle verbinden kategoriebasierte und attributionsorientierte Merkmale miteinander. Fiske und Neuberg gehen von ökonomischen Handeln aus und postulieren, dass die Informationsverarbeitung nur fortgesetzt wird, wenn ein bestimmtes Ziel und der Selbstbezug gegeben sind. Brewer hingegen setzt die Informationsverarbeitung fort und unterscheidet diese je nach Stärke der eigenen Involviertheit. Jede Verarbeitungsstufe hat unterschiedliche kognitive Repräsentationen => Typisierungen sind visuell gespeichert und personalisierte  Information verbal.
Brewers duales Prozessmodell postuliert im ersten Schritt die intiale Identifizierung einer Person und im zweiten Schritt dann einen kontrollierten Prozess, der bei persönlicher Involviertheit als Personalisierung (personalisierte Wahrnehmung) ansonsten als Individualisierung (kategorisierte Wahrnehmung) beschrieben wird.
Je größer die persönliche Relevanz oder die Wichtigkeit bestimmter Ziele ist, desto höher ist die Motivation zu genauerer Informationsverarbeitung. Dabei werden auch kategorieinkonsistente Informationen miteinbezogen.

Die konnektionistische Eindrucksbildung basiert auf dem Konnektionismus, der das menschliche Denken als Netzwerke darstellt. Die Netzwerke bestehen aus simplen, eng verknüpften Einheiten, die durch Aktivierung oder Hemmung sowie Weiterleitung der Aktivierung zu verbundenen Einheiten Aktivierungsmuster entstehen lassen, die dann den Gedanken entsprechen. Die Parellel Constrait Satisfaction Theory nach Kunde & Thagard (1996) beschreibt die Repräsentation sozialer Informationen als Netzwerke. Stereotype, Eigenschaften und Verhaltenweisen stellen Knotenpunkte in assozisativen Netzwerken dar, welche miteinander verbunden sind. Die Wahrnehmung einer Person aktivert einen Knotenpunkt, der wiederum einen anderen aktiviert usw. So wind Inhalte von verbundenen Kategorien leichter präsent oder werden zunehmend gehemmt. Stereotype und Kategorien haben dabei keine andere Funktion wie Eigenschaften und Verhalten.

Advertisements