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[M2C] 5 Interpersonale Beziehungen

Nachdem ich mich im letzten Kapitel mit der Eindrucksbildung und Eindrucksänderung sowie der Personenwahrnehmung beschäftigt habe, kommen wir in diesem Beitrag unweigerlich zu Beziehungen, vorzugsweise zu interpersonellen Beziehungen – Beziehungen mit einer oder mehreren anderen Personen. Man kann auch von „sozialer Beziehung“ sprechen.

Voraussetzung ist eine interpersonale Attraktivität, die sich zusammensetzt aus Merkmalen des Kontextes, der Zielperson sowie des Beobachters (z. B. die eigene Stimmung) und Merkmalen der Beziehung zwischen Beobachter und Zielperson, vor allem Ähnlichkeiten fördern interpersonale Attraktivität. Ein hard-to-go-Effekt, sprich man stellt sich als schwer zu haben dar, konnte nicht bestätigt werden. Negativen Einfluss haben extreme Selektivität oder keine Selektivität bei der Partnerwahl.

Es wird zwischen unterschiedlichen Beziehungstypen unterschieden. Dazu wird der Austausch- bzw. Interpendenzansatz von Thibaut und Kelley (1959) herangezogen, welcher die wechselseitige Abhängigkeit  der Interaktionspartner zur eigenen Bedürfnisbefriedigung unterstellt. Demnach haben soziale Beziehungen die Funktion den Austausch von individuell benötigten materiellen, sozialen und/oder psychologischen Ressourcen zu fördern. Der Beziehungsaufbau ist dabei abhängig vom Kosten-Nutzen-Aufwand, aber auch abhängig vom bestehend Beziehungstyp. Margaret Clark et al. unterscheidet soziale Beziehungen anhand von Prinzipien und Normen und kommt dabei auf:

  • Austauschbeziehung nach dem Gleichheitsprinzip
    und
  • Gemeinschaftsbeziehungen nach dem Bedürfnisprinzip

Ein wichtiger kommunikativer Faktor beim Wechsel von der Austausch- zur Gemeinschaftsbeziehung ist dabei der Grad der Selbstenthüllung.

Soziale Beziehungen haben nicht nur Einfluss auf den Ressourcenaustausch, sondern auch auf kognitive, emotionale und somatische Prozesse. Soziale Eingebundheit kann glücklich machen, wobei kein eindeutiger kausaler Zusammenhang zwischen Beziehung und Glück nachgewiesen werden konnte. Aber es gibt eine Korrelation zwischen sozialer Beziehung und psychischer Gesundheit: bei negativen Beziehungsereignissen (wie z. B. Tod, Beendigung) kann eine Schwächung des Immunssystems miteinhergehen. Soziale Beziehungen bringen soziale Unterstützung mitsich mit folgenden Funktionen für die eigene Gesundheit

  • emotionale Unterstützung
  • Unterstützung bei Bewertung und Entscheidungsfindung
  • instrumentelle Unterstützung.

Weiter haben soziale Beziehungen mentale Repräsentationen zur Folge. Das Beziehungsschema beinhaltet Eindrücke über und Erfahrungen mit anderen Personen und hat Einfluss auf Selbst-Schema, Partner-Schema und Skript. Ainsworth (1978) zeigt unterschiedliche Bindungsstile bei Kindern auf, die nach Shaver und Hazan auch für Erwachsenen gelten und dabei zeitlich variabel sind.

  • sicherer Bindungsstil
  • vermeidender Bindungsstil
  • ängstlich ambivalenter Bindungsstil

Soziale Beziehungen können unterschiedlicher Art sein – Freundschaft, Bekanntschaft, Arbeitskollegen uvm.. Eine besondere Form ist die Liebesbeziehung. Man unterscheidet Liebe und Zuneigung und John Alan Lee hat uns 1973 ein Klassifikationsschemata gleich an die Hand gegeben.
Primäre Liebesstile sind demnach

  • Eros
  • Ludus
  • Storge

und sekundäre Liebesstile:

  • Pragma
  • Agape
  • Mania.

Männer haben höhere Werte bei Ludus und Frauen i. d. R. bei Storge, Mania und Pragma.

Sternberg (1986) hingegen gibt uns ein Dreieck der Liebe mit an die Hand und idendifiziert die Dimensionen, die den mit Liebe assoziierten Gefühlen und Kognitionen zugrunde liegen, als Intimität – Leidenschaft – Bindung. Idealtypen der Liebe sind dabei:

  • romantische Liebe = Intimität + Leidenschaft
  • kameradschaftliche Liebe = Intimität + Bindung/Verbindlichkeit
  • vollzogene Liebe = Intimität + Leidenschaft + Verbindlichkeit/Bindung

Elaine Hatfield (1988) unterscheidet leidenschaftlicher von kameradschaftlicher Liebe. Erstere ist geprägt von Intensität, Romantik, Erotik und psychischer Erregung. Zweitere kann auch als partnerschaftliche Liebe bezeichnet werden und ist geprägt durch Stabilität, Sicherheit, Vertrauen, Zuneigun und einem hohen Grad an Selbstenthüllungen.
Kann schön technisch diese Liebe, oder?
Zudem kann es laut Zillmann (1984) auch zu Missattributionen aufgrund eines Erregungstransfers kommen, da körperliche Erregung emotionale Reaktionen verstärken kann.

Und wie komme ich überhaupt zu einer Liebesbeziehung? Das gehört die Wahl des Partners, wobei der Mensch dabei meist auf Ähnlichkeiten achtet, denn diese tragen zur aktiven Gestaltung des eigenen sozialen Umfeldes bei (sie müssen nicht immer äußerlicher natur sein). Geschlechtsunterschiede bei der Partnerwahl sind vorhanden (Männer suchen sich eher jüngere Partnerinnen und legen Wert auf gutes Aussehen, Frauen hingegen ältere Partner und legen Wert auf gute Finanzen, Ehrgeiz und Fleiß), Uneinigkeit besteht über deren Ursprung. Buss (1989) führt ihn zurück auf den Evolutionsprozess, Alice Eagly (1987) vielmehr auf gesellschaftliche Bedingungen und der Anpassung des Verhaltensreportoires an herrschende Stereotype. Sie postuliert die Kompetenzergänzung als Leitprinzip bei der Partnerwahl.

Der Aufbau einer sozialen Beziehung ist das eine, das andere ist allerdings deren Erhalt und so manches Male auch die Auflösung. Zum Erhalt einer Beziehung benötigt es Stabilität. Rusbult (2001) nennt das Investitionsmodell mit dem Mittelpunkt des Konzepts des Commitment gegenüber einer bestehenden Beziehung. Commitment meint dabei die innere Festlegung auf eine Beziehung mit folgenden Komponenten:

  • Verhaltenskomponente
  • emotionale Komponente
  • kognitive Komponente

Die Stärke des Commitment ist dabei abhängig von

  • Zufriedenheit mit der Beziehung
  • Alternativen zur Beziehung
  • Investitionen in die Beziehung

Beziehungskonflikte sind die häufigste Ursache zur Auflösung einer sozialen Beziehung und beruhen zumeist auf kommunikativen Problemen. Man unterscheidet dabei:

  • Reziprozität negativer Affektivität
    nach dem tit-for-tat-Prinzip
  • sowie unterschiedlichen Mitteilungsbedürfnissen
    Rückzugs-Interaktionsmuster = unterschiedliche Reaktionen auf Konflikte bei Männern und Frauen

Eine Trennung / Auflösung einer sozialen Beziehung, in diesem Fall einer partnerschaftlichen Beziehung hat besondere Auswirkungen, wenn Kinder betroffen sind:

  • starke negative Auswirkung
  • verminderte Gesundheit von Geschiedenen
  • trotz erneuter Heirat höhere Sterblichkeitsrate als bei einer stabilen Ehe
  • Scheidung ist Stressor

In der Retrospektive bezeichnet sich die Mehrheit als Trennungsantreiber (Grund: Bedürfniskontrolle).

Bei Tod des Partners unterscheidet man nach folgender Verlaufsbescheigung emotionale und physische Reakltionen:

  1. Zeit unmittelbar nach dem Tod
  2. nach 6 / 12 – 18  Monate oder 2 – 3 Jahren

Die Sterblichkeitsrate bei dem hinterbliebenem Partner ist in den ersten Monaten sehr hoch und erst nach 2  – 3 Jahren wieder auf Normalniveau. Wortmann (1993) stellt die Allgemeingültigkeit diese Aussagen in Fragen und meint eher, dass die Folge des Verlusts des Partners durch Tod stark abhängig sind von den individuellen Überzeugungen und Einstellungen (Copingstrategien).

Wichtige Begriffe des 5. Kapitels sind:

  • soziale Beziehung
  • Sympathie
  • Mere-Exposure-Effekt
  • Reaktanztheorie
  • Austausch- und Gemeinschaftsbeziehung
    Gleichheits- und Bedürfnisprinzip
  • Bindungsstile nach Ainsworth
  • Investitionsmodell
  • Commitment
  • Einsamkeit
  • Experience samling method
  • Copingstrategien
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