Es geht innerhalb der Sozialpsychologie aber nicht nur um Informationsverarbeitung und Beziehungen, sondern auch um die eigene Person, um das Selbst, sowie um die eigene Identität.

  • Wie nehmen sich Personen selbst wahr?
  • Woher generieren Personen Informationen über die eigene Person?
  • Wie reguliert das Selbst die eigene Wahrnehmung und die eigenen Gefühle?

Die Sozialpsychologie nimmt an, dass soziale Interaktionspartner Einfluss auf die Entwicklung des Selbst haben. Dabei entsteht die Tendenz sich so zu sehen, wie man glaubt, dass andere einen sehen. Die Wahrnehmung und Einschätzung erfolgt auf Grundlage eines Vergleiches zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung. Leon Festinger beschreibt dieses 1954 als soziale Vergleichsprozesse und legt ihnen das Bedürfnis nach der Überprüfung der Gültigkeit und Akkuratheit der eigenen Wahrnehmungen, Gefühle und Einstellungen zugrunde. Diese Überprüfung kann durch folgende soziale Vergleiche erfolgen:

  • Attributionsvergleich bei Ähnlichkeiten
  • aufwärtsgerichtete Vergleiche bei Verbesserung der eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten
  • abwärtsgerichtete Vergleiche zur Stärkung des eigenen Selbstwertgefühls

Doch wie generieren Menschen Informationen über sich selbst?
Dieses kann auf unterschiedlichen Wegen erfolgen und es gibt unterschiedliche Theorien hierzu:

  • Introspektion
    = der Entwurf eines subjektiven und positiven Selbstbildes mit der Tendenz zu einer sehr selektiven Informationssuche, die das positive Selbstbild bestätigt
  • Selbstwahrnehmungstheorie nach Darly Bem, 1972
    = man nimmt sich selbst und das eigene Verhalten wie ein externer Beobachter war
  • Reaktionen anderer Personen | looking-glass-self (Spiegel-Selbst) – Charles Cooley, 1902
    = man reflektiert sich selbst durch einen Interaktionspartner
    = die soziale Interaktion ist wie ein sozialer Spiegel des eigenen Selbst
  • George Mead, 1934, erweiterte die Theorie Cooleys hin zum sozialen Interaktionismus
    = die Beobachtung und Reflektiond es Selbst als ein „generalisierter Anderer“
    es Bedarf also nicht einmal der sozialen Interaktionen mit einem anderen

Und wie wird das Wissen über die eigene Person generiert?
Informationen über die eigene Person werden wie andere Informationen auch als kognitive Schemata gespeichert (Markus, 1977):

  • Selbstschemata
  • Selbstkomplexität
  • Variabilität des Selbst
  • Inklusivitätsgrad des Selbst
  • Konstruktion eines konsistenten Selbst

Das Selbstschemata steht im Gegensatz zum Fremdschemata. Das Selbstschemata ist aber detaillierter, funktional einflussreicher, es erleichtert den Abruf schemakongruenter Informationen, steuert die Wahrnehmung, Enkodiertung und den Abruf selbstbezogener Informationen sowie die Verarbeitung von Informationen über Andere, ist interpretativer Bezugsrahmen zur Erklärung des Verhaltens Anderer und dabei relativ zeitstabil und enthält zentrale Informationen über die eigene Person im Gegensatz zum Fremdschemata.

Die Selbstkomplexität umfasst distinkte und voneinander unabhängige Selbstaspekte, die breiter aufgestellt sind als das Selbstschemata. Die Selbstaspekte umfassen zusätzlich zu den Informationen des Selbstschemata fluktuierende und weniger relevante Informationen. Der Grad der Selbstkomplexität resultiert aus der Anzahl von relativ voneinander unabhängigen Selbstaspekten. Eine hohe Selbstkomplexität bedeutet viele unabhängige Selbstaspekte und kann als psychologischer Puffer gegen selbstwertbedrohliche negative Ereignisse wahrgenommen werden. Eine niedrige Selbstkomplexität hingegen umfasst relativ wenige und stark miteinander verknüpfte Selbstaspekte und führt zu intensiveren Emotionen – negativ wie positiv.

Die Variabilität des Selbst meint, dass das Selbst je nach Kontext (Partnerschaft, Beruf, Freundschaft …) variiert nd nicht alle Selbstbilder gleichzeitig aktiv sind (vgl. Arbeitsselbstkonzept).

Der Inklusivitätsgrad des Selbst umfasst den sozialen Identitätsansatz (Tajfel und Turner, 1986) sowie die Selbstkategorisierungstheorie (Turner, 1987). Das Selbst variiert zwischen personaler (individueller) Identität und sozialer (kollektiver) Identität. Die personale Identität definiert das Selbst als einizigartiges und unverwechselbares Individuum, beruhend auf interpersonaler Differenzierung auf der Basis individueller Merkmale (ich vs. du).
Die soziale bzw. kollektive Identität definiert das Selbst als austauschbares Mitglied einer Gruppe und beruht auf intergruppaler Differenzierung zwischen Eigen- und Fremdgruppe auf Basis gruppentypischer Merkmale (wir vs. die). Die soziale Identität  wird beeinflusst durch Werte, Normen und Einstellungen der jeweiligen Gruppe.
Die Definition des Selbst variiert auch hier je nach Kontext:

  • Ebene der Selbstdefinition (Mensch/Gruppe/Individuum)
  • Vergleichsprozesse (Interspezies/Intergruppal/Interpersonal)
  • Vergleichsdimensionen (Merkmale der Spezies/Gruppe/individuelle Merkmale)

 

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